FIBROMYALGIE-SYNDROM

Das Fibromyalgie-Syndrom ist eine relativ häufige Erk rankung. Die Krankheit setzt meist im mittleren Erwachsenenalter ein und entwickelt sich progredient (= fortschreitend). Frauen sind 5-10 mal häufiger betroffen als Männer.

Das Fibromyalgie-Syndrom ist durch eine Vielzahl diffuser, breitflächiger, spontan schmerzhafter Regionen mit wechselnden "rheumatischen" Beschwerden im muskuloskelettalen (= Mus keln und Skelett betreffenden) System bei insgesamt deutlich erniedrigter Schmerzschwelle gekennzeichnet. 
Beim Fibromyalgie-Syndrom liegt eine Kombination von psychischen, neurologischen und funktionellen Störungen vor.

Hauptsymptome (= vorherrschende Krankheitszeichen) beim Fibromyalgie-Syndrom

Regelmäßig finden sich beim Fibromyalgie-Syndrom druckschmerzhafte Punkte an 18 (2x9) definierten Stellen (Tender points):

Umgekehrt gibt es beim Fibromyalgie-Syndrom 13 (1+2x6) nicht druckschmerzhafte Kontrollpunkte:

Der Symptomkomplex "Müdigkeit" zeichnet sich aus durch: Überschießende Reaktion auf physischen und psychischen Streß mit rascher Ermüdbarkeit und rascher Erschöpfung, geringere Belastbarkeit, Leistungsschwäche und Konzentrationsstörung. 
Die Schlafstörung betrifft besonders die Tiefschlafphase IV (Non-REM-Phase), verursacht ein Gefühl der Zerschlagenheit und verhindert einen erholsamen Schlaf. 
Depression
und andere psychische Störungen bestehen bei mehr als 50% der Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom; häufige Kombination von emotionalem und psychischem Dysstreß.

Häufige funktionelle Begleitsymptome beim Fibromyalgie-Syndrom:

In der Regel können beim primären Fibromyalgie-Syndrom keine Organerkrankungen aufgedeckt werden, die Röntgenbefunde sind normal, ebenso die Laborwerte (Entzündungsparameter, Diff. Blutbild, Rheumaserologie, Immunglobuline und Muskelenzyme). In 30-70% sind die Antikörper gegen Serotonin, Phospholipide, Ganglioside und Nukleoli positiv. Die Muskelbiopsie (= mikroskopische Gewebeuntersuchung) ist unauffällig. 

Die Komplexität beim Fibromyalgie-Syndrom läßt großen Spielraum für differentialdiagnostische Erwägungen
(= was außer einem Fibromyalgie-Syndrom sonst noch in Betracht kommen könnte):

Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) des Fibromyalgie-Syndrom s sind noch unbekannt und führen zu kontroversen Spekulationen. 
Psychologische Faktoren, so z. B. psychosoziale Störungen (Hansen 1991), scheinen aber erheblich zur körperlichen Symptomatik beizutragen. Jede Form von körperlichem und seelischem Streß wirkt offenbar schmerzverstärkend (Bengtson et al. 1986, Tilscher et Eder 1985). 
Nach Tilscher und Bogner (1974) werden beim Fibromyalgie-Syndrom insbesondere depressive Symptome gehäuft gefunden. Viele Arbeiten zum Nachweis einer Koinzidenz
(= zeitliches Zusammentreffen) psychopathologischer Phänomene bei Pana lgesie (= Ganzkör perschmerz) -Syndromen sind aber methodisch nicht immer nachvollziehbar. 
Die Tatsache, daß bei vielen dieser Patienten keine psychologischen Besonderheiten nachzuweisen sind, spricht nach Wolfe (1984) gegen eine primär psychogenetische
(= in der Psyche begründete) Erklärung des Fibromyalgie-Syndrom s. Die psychischen Besonderheiten bei einer Reihe von Patienten könnten auch sekundär durch den Krankheitsverlauf aufgetreten sein. Nicht selten bestehen Partnerschaftskonflikte (Hansen 1991).
Differentialdiagnostisch
(= was außer dem Fibromyalgie-Syndrom sonst noch in Betracht kommen könnte) ist zu bedenken, daß sich hinter einer scheinbar monokausalen Pana lgesie (= durch 1 Krankheit verursachter Ganzkör perschmerz) auch ein psychisch verursachtes Schmerzsyndrom verbergen kann.

Schmerzbehandlun g bei Fibromyalgie-Syndrom: 
Das komplexe Beschwerdebild des Fibromyalgie-Syndrom s erfordert eine stationäre interdisziplinäre, multimodale
(= mehrere Maßnahmen beinhaltende) Therapie im Rahmen der "speziellen Schmerzt herapie". 
Bei multikausaler Genese
(= durch verschiedene Krankheiten verursachte Entwicklung) der Pana lgesie werden die einzelnen Schmerzbilder entsprechend ihrer Dominanz behandelt. Da in der Regel die Schmerzschwelle herabgesetzt ist, ist eine begleitende schmerzdistanzierende Medikation mit einem tri- oder tetrazyklischen Antidepressivum (z.B. Doxepin, Maprotilin), evtl. vorübergehend auch in Kombination mit einem Neuroleptikum (z.B. Levomepromazin) sinnvoll.
Hilfreich ist beim Fibromyalgie-Syndrom auch eine 3-4 tägige psychovegetative Entspannung durch eine sogenannte "Schlafkur". Zur wiederholten Schlafinduktion verwenden wir 1-2 mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol ®), zusätzlich geben wir 1-2 mal täglich 40 mg Prothipendyl (Dominal forte ® ).
Zunächst sollte der Patient über die prinzipiell gutartige Natur der Erk rankung aufgeklärt werden, wobei aber mögliche Folgen einer Chronizität (psychosoziale Aspekte, Risiken einer ständigen Medikamenteneinnahme) nicht verschwiegen werden sollten. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient kann den bis dahin unbefriedigenden Verlauf durchbrechen. Es ist aber auch zu bedenken, daß weitere erfolglose Therapieversuche erneut zu Enttäuschungen führen können, die einer weiteren Chronifizierung Vorschub leisten.

Desweiteren ist ein therapeutisches Vorgehen erforderlich, das den multifaktoriellen Ursprung des Fibromyalgie-Syndrom s berücksichtigt. Dazu gehört insbesondere eine begleitende psychologische Behandlung, die zu einer Verbesserung der Schmerzverarbeitung bzw. Erhöhung der Schmerztoleranz beiträgt. 
Eine schmerzdistanzierende, antidepressive Behandlung sollte bei Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom frühzeitig eingesetzt werden, zumal damit auch eine Besserung der häufig bestehenden Schlafstörungen zu erreichen ist. 
Periphere Analgetika (= Schmerzmittel) können versucht werden, überwiegend ist damit jedoch keine zufriedenstellende Schmerzreduktion zu erreichen. Auch der Einsatz von Opioiden (z.B. Morphium) ist oftmals enttäuschend. Eher sahen wir eine positive Wirkung bei Verabreichung von Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Entspannung von Mus keln), vor allem Tolperison (Mydocalm®). Alternativ kann Baclofen (z.B. Lioresal®) verordnet werden. 
Auch die
therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) in Form einer Triggerpunkt-Behandlung (= Behandlung von umschriebenen Reizzonen), Infiltrationen besonders schmerzhafter Körperbereiche, aber auch Nervenbetäubungen, falls notwendig sogar kontinuierlich mit Katheter (= eingepflanztem Kunststoffschlauch), ist beim Fibromyalgie-Syndrom oftmals hilfreich. Bei Vorliegen einer sympathischen Überaktivität sind epidurale (= rückenmarknahe) oder periphere sympathische (= das vegetative Nervensystem betreffende) Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter, erfolgversprechend. 
Physiotherapeutische Behandlungsmaßnahmen
(u.a. Krankengymnastik) werden beim Fibromyalgie-Syndrom meist als angenehm empfunden und steigern damit das körperliche Wohlbefinden. Sie sollen dazu beitragen, den Patienten mehr Vertrauen zum eigenen Körper zu vermitteln und die Mobilität zu steigern. Werden z.B. nur Massagen verordnet, besteht die Gefahr, daß sich passive Tendenzen im Krankheitsverlauf verstärken.
Ohnehin sind die üblichen Massagebehandlungen (Ausnahme: Spezialmassagen wie. z.B. Bindegewebsmassagen oder Lymphdrainagen) aus schmerztherapeutischer Sicht völlig entbehrlich und werden von uns auch nicht mehr verordnet.
Erwähnt sei noch die Wärmekammer, die bei manchen Patienten zu einer deutlichen Beschwerdereduktion führt.

   

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B
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Deafferenzierungsschmerzen, diabetische PolyneuropathieDysästhesien, Dyspepsie, Dystrophie, Dystrophie-Syndrom
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F
Facettensyndrom, Fasciitis, Fersensporn (www.fersensporn.org), Fibromyalgie (1), Fibromyalgie (2), Fibromyalgie (3), Fibromyalgie-Syndrom (1), Fibromyalgie-Syndrom (www.fibromyalgie-syndrom.org) (2), Fibrositis-Syndrom (www.fibrositis-syndrom.de), Frozen Shoulder, Fußschmerz
G
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H hämorrhagischer Insult, Haglundferse, Halbseitenlähmung, Handgelenksarthrose, Hemialgesie, Hemikranie, Hemiparese, Hemiplegia, Hemiplegie, Herpes zoster, Hirnblutung, Hirnschlag, HistaminkopfschmerzHörsturz, Hüftarthrose, Hüftgelenkarthrose, Hüftgelenksentzündung, HWS-Syndrom, Hyperästhesie, Hyperalgesie,
I
Idiopathischer Kopfschmerz, ImpingementsyndromInsultIntermediusneuralgie, IschialgieIschias, Ischiassyndrom, Ischiolumbalgie
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L Lumbalgie, Lumboischialgie, LWS-Syndrom, Lyme-Krankheit, Lyme-Borreliose, Lymphödem, Lymphödeme 
M
Magenschleimhautentzündung, Mastodynie, Metatarsalgie, Migräne (1),  Migräne (2), MononeuropathieMorbus Bechterew (www.morbus-bechterew.co.uk), M. Crohn (1), Morbus Crohn (2), Morbus-Krohn, Morbus Scheuermann (1), Morbus Scheuermann (www.morbus-scheuermann.com)(2), Morbus Sudeck (www.morbus-sudeck.de), Morton Neuralgie, Multiple Sklerose, Myalgie,  myofaziales Schmerzsyndrom
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Q
Querschnittlähmung, Querschnittläsion, Querschnittsläsion, Querschnittssyndrom
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Reflexdystrophie, Reizdarm (www.darmschmerzen.de/reizdarm), Reizdarm-Syndrom, Reizdarmsyndrom, Reizkolon, Restless legs, Restless-legs-Syndrom (1), Restless-legs-Syndrom (www.restless-legs-syndrom.com) (2), rheumatische Schmerzen, Rückenschmerzen (www.rueckenschmerzen.li), Rundrücken (www.xn--rundrcken-u9a.de)
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